Biographie, Bildung und Gesellschaft

Der Arbeitsbereich thematisiert Bildung, Sozialisation und Lernen in der Dimension der Lebenszeit und analysiert sie in der Verknüpfung von individuell-biographischem und gesellschaftlichem Kontext. Theoretisch orientieren wir uns am internationalen und interdisziplinären Diskurs der Biographieforschung und Theorien sozialer Ungleichheit, in der empirischen Analyse nutzen wir ein breites Spektrum vorwiegend qualitativer Methoden, bes. Ansätze der Biographieforschung, Ethnographie.

Im Fokus unseres Ansatzes stehen Bildungsprozesse im Zusammenspiel zwischen Biographien, Institutionen und gesellschaftlichen Verhältnissen. Zudem interessiert uns, welche Konsequenzen sich aus diesen Forschungen für die (sozial)pädagogische Praxis ableiten lassen. Biographieorientierte Ansätze werden in Kooperation mit verschiedenen Praxisfeldern (Erwachsenenbildung, Soziale Arbeit, Hochschule, historisch-politische Bildung u.a.) entwickelt, erprobt und wissenschaftlich reflektiert.

In verschiedenen Arten von Projekten arbeiten wir zu folgenden Themen: Bildung und gesellschaftliche Teilhabe, Studierendenbiographien und soziale Aufstiegsprozesse in der Hochschule, Bildungsbiographien in der Migrationsgesellschaft, Sprachbiographien und Übersetzungserfahrungen im Kontext von Flucht, Migration und Bildungsinstitutionen (Schule und Hochschule), biographisches Erzählen und Lernen in der politischen Bildung, Gender sowie methodologische Fragen der Biographieforschung.

 


 

 

Publikationen

Mart Enzendorfer
Intergeschlechtlichkeit in pädagogischen Kontexten
Biografische Erfahrungen in Familie und Schulzeit

In pädagogischen Kontexten lässt sich eine Entkonzeptualisierung des Themas Intergeschlechtlichkeit feststellen, die hegemoniale Zweigeschlechterdiskurse stabilisiert und zu pathologischen Selbst- und Fremdpositionierungen intergeschlechtlicher Menschen führt. Die in der Studie erhobenen biografischen Erzählungen intergeschlechtlicher Menschen verweisen auf vielfältige Normalisierungs- und Tabuisierungspraktiken in Familie und Schulzeit. Mart Enzendorfer rekonstruiert diese als Silencing-Strategien. Pädagogische Kontexte können aber auch als zentrale Subjektivierungs- und Bildungsräume fungieren, in denen eine inter*inklusive Konzeptualisierung Potentiale für alle geschlechtlichen Subjekte eröffnet.

Die Lebenswelt zum Thema

Eine Ethnographie persönlichkeitsbildenden Unterrichts

Amos Christopher Postner

Durch Schulangebote der Persönlichkeitsbildung rückt die Lebenswelt der Schüler*innen ins Rampenlicht pädagogischer Praxis. Vor diesem Hintergrund wendet sich der Autor der Frage zu, wie sich Unterricht in dem an österreichischen Bundeshandelsakademien und -schulen (BHAK/BHAS) etablierten Schulfach „Persönlichkeitsbildung und Soziale Kompetenz“ (PBSK) in einer ersten Klasse einer Handelsschule gestaltet. Im Fokus stehen Interaktionen und Praktiken, die den Schüler*innen ermöglichen, ihre Alltagsthemen in pädagogischen Kontexten zu reflektieren.

Frontline Politics: Street-Level Organizations, Family Unification and the Right to Asylum in Germany

Journal of Comparative Policy Analysis: Research and Practice

Florian Sichling, 2023

The Syrian refugee crisis posed enormous challenges for the child welfare system and immigration authorities in Germany. Based on qualitative interviews and publicly available data, this paper explores the responses of frontline workers to the surge in unaccompanied refugee minors (UAMs) during the crisis and how their actions were experienced by UAMs. Results illustrate how frontline coping strategies created effective barriers to UAMs being united with their families. The findings raise questions about the relationship between ambiguous policy goals, frontline practice and formal legislation in the context of the right to asylum and the best interests of the child.