Call for Papers

Medien im Krieg

Medienpädagogische Perspektiven für eine mediale Friedenserziehung im Informationskrieg

#mpaed2026

Die Jahrestagung der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft wird von
Donnerstag, den 17. bis
Freitag, den 18. September 2026
an der Universität Wien stattfinden. Ausgerichtet wird sie von Univ. Prof. Dr. Christian Swertz.

Thema

Kriege und bewaffnete Konflikte sind immer auch medial vermittelte Ereignisse. Dies reicht von frühen Formen der Nachrichtenübermittlung durch Boten nach der Schlacht bei Marathon über gedruckte Flugblätter im Dreißigjährigen Krieg, erste Fotografien im Krimkrieg und Echtzeit-Videos im zweiten Golfkrieg bis hin zu digitalen Kommunikations- und Informationssystemen, die auch zur Steuerung aktueller Kriege verwendet werden. Mit dem Schlagwort ‹Informationskrieg› kann dabei deutlich gemacht werden, dass auch medial verbreitete oder nicht verbreiteten Inhalte Teil der Kriegsführung sind. Dies zeigt sich im strategischen Einsatz von Agenda Building als Bestandteil moderner Kriegsführung. Gezielt ausgewählte sowie irreführende Informationen werden genutzt, um Wahrnehmungen zu beeinflussen, Gegner:innen zu destabilisieren und gesellschaftliche Konflikte zu verschärfen (Tribukait & Trupp 2024). Im Kontext digitaler Medien gewinnt dies eine neue Qualität: Plattformlogiken, algorithmische Verbreitung sowie KI-gestützte Inhalte ermöglichen eine schnelle und skalierbare Einflussnahme (Ahlborn et al. 2024, Dander et al. 2026). Mit Kriegskommunikation und gezielten Informationskampagnen wird so Verunsicherung, Polarisierung und die Schwächung demokratischer Öffentlichkeiten erzeugt

Im Kontext der Annahme, wir lebten in einer postdigitalen Epoche, gerät schnell aus dem Blick, dass digitale Technik in ihren Ursprüngen im Bletchley Park als mediale Kriegstechnik entwickelt wurde. Ähnliches gilt für die Kybernetik, die ihren ersten großen Schub der Bearbeitung von militärischen Steuerungsproblemen (u.a. Flugabwehr) verdankt. Was aktuell oft lapidar als ‹Digitalisierung› beschrieben wird, ist somit in seinen Implikationen tief von militärisch-kriegerischen Entwicklungslinien geprägt. Folgt man Harold Innis, begünstigen die digitalen Raummedien die Durchsetzung von Wahrheitsansprüchen im militärischen Interesse.

Mit digitalen Medieninfrastrukturen werden durch die militärischen Implikationen auch die Bedingungen politischer Kommunikation, journalistischer Berichterstattung und gesellschaftlicher Teilhabe gestaltet – und das nicht nur in Konflikt- und Krisenzeiten. Für die Medienpädagogik stellt sich damit u.a. die Fragen danach,

  • welche Bedeutung Medien für Menschen, die Kriege vorbereiten und durchführen, haben,

  • wie Kriegsdarstellungen produziert werden, wie ihnen Bedeutung verliehen wird

  • und wie Bildungsprozesse gestaltet sein müssen, um an der Idee des Friedens orientierte Medienkompetenz in dual-use Informationsumgebungen zu fördern?

Dem Krieg aller gegen alle kann dazu die Idee eines vernünftigen menschlichen Miteinanders in einer friedlichen demokratischen Kultur gegenübergestellt werden. Da diese Idee als Leitmotiv für alle medienpädagogischen Perspektiven angesehen werden kann, stehen Medienpädagog:innen vor der paradoxalen Herausforderung, einen friedlichen Umgang mit kriegsbezogenen Medieninhalten und entsprechenden medialen/digitalen Infrastrukturen zu vermitteln. Medienpädagog:innen sind dabei nicht darauf angewiesen, Heilsversprechen, apokalyptischen Vorstellungen oder Notwendigkeitsbehauptungen zu folgen. Professionelle und forschende Medienpädagog:innen können stattdessen aktiv einen Beitrag zur Entwicklung einer wertvollen Gesellschaft leisten und so friedliches Medienhandeln anregen. Dafür können Medienpädagog:innen ihr kritisches und kreatives Vermögen so nutzen, dass sie sich aus den konflikthaft geprägten digitalen Öffentlichkeiten und Kommuniktionsverhältnissen lösen und sich so verstehen und gestalten, dass sie Anregungen zur Entwicklung einer friedlichen, freien und vernünftigen Gesellschaft vermitteln können.

Damit sind vielfältige Forschungsfragen verbunden, wie z. B.:

  • Wie können Medienbildungsprozesse gestaltet werden, die Lernende befähigen, Produktionsbedingungen, Distributionsmechanismen und den eigenen Medienkonsum im Kontext kriegerischer Kommunikation kritisch zu erkennen und kreativ zu gestalten?

  • Wie lässt sich Medienkompetenz in Informationsumgebungen so fördern, sodass Lernende Kriegstreiberei, Desinformation, Emotionalisierung und Polarisierungsdynamiken reflektiert bewerten und verantwortlich, friedlich und frei öffentliche Kommunikation gestalten können?

  • Wie können Bildungsprozesse so gestaltet werden, dass Teilnehmer:innen angeregt werden, Kriegsdarstellungen in Medien analytisch zu hinterfragen, zwischen Dokumentation und Inszenierung zu unterscheiden und ihre kritische Medienkompetenz im Hinblick auf eine kreative friedliche Mediengestaltung zu bilden?

  • Welche Wirkung haben Gewaltdarstellungen und der Informationskrieg auf Regierende und welche Medienkompetenz benötigen Machthaber:innen?

  • Wie kann die professionelle Medienpädagogik mit Heilsversprechen und Apokalyptik der oft militärisch geprägten Datenreligion umgehen?

Wir freuen uns über vielfältige Beiträge, vor allem über solche, die den Rahmen der aufgeworfenen Fragen sprengen.

Einreichungen

Wir freuen uns über Beiträge, in denen Praktiken, Theorien und kreative Ideen für ein friedliches und freies Medienhandeln in einer kriegerischen Gesellschaft thematisiert werden. Eingereicht werden können theoretische, empirische, praxisorientierte und künstlerische Beiträge sowie Workshops, Debatten und Projektvorstellungen. Die Tagung versteht sich ausdrücklich als Forum für vielfältige methodische Zugänge und interdisziplinäre Perspektiven.

Neben Einreichungen zum aktuellen Thema der Herbsttagung besteht die Möglichkeit, vom Tagungsthema unabhängige Beiträge einzureichen.

Formate (Haupttagung und Doktorand:innenforum)

Im Mittelpunkt der Tagung steht der kollegiale Austausch. Dafür kann zwischen folgenden Formaten gewählt werden:

  • 15/15-Vorträge vor Ort oder Online

  • 5/5-Vorträge (Poster) vor Ort oder Online

  • 45/45-Vorträge vor Ort oder Online

  • 90/0-Symposien vor Ort oder Online

  • 0/90-Debatten vor Ort oder Online

Das Tagungskommitee wird sich darum bemühen, den Bedürfnissen aller Teilnehmer:innen gerecht zu werden. Bitte lass uns wissen, wie wir Dich unterstützen können.

Wir freuen uns auf Eure Einreichungen!

Beiträge zum Doktorand:innenforum

Im Rahmen der Tagung organisiert das Junge Netzwerk Medienpädagogik ein Doktorand:innenforum für Wissenschaftler:innen in der Promotionsphase. Hierzu können auch vom Tagungsthema unabhängige Beiträge als Vorträge oder Posterpräsentationen eingereicht werden. Im Doktorand:innenforum werden den Beitragenden etablierte Wissenschaftler:innen aus der Fachgemeinschaft als Critical Friends zur Seite gestellt, die ihnen im Anschluss an ihren Beitrag (Vortrag: 15 Minuten; Posterpräsentation: 5 Minuten) ein kritisch-konstruktives Feedback zu ihrem Projekt und Hinweise für die weitere Arbeit geben.

Interessierte sind eingeladen, Abstracts bis zum 01.06.2026 einzureichen. Für das Doktorand:innenforum bitten wir im Rahmen des Abstract um die Angabe der Namen der aktuellen Betreuenden, eine Kurz-Vita (max. 500 Zeichen) und evtl. Wünsche für eine:n Critical Friend. Die Einreichung erfolgt über http://www.conftool.org/mpaed2026.

Zeitplan

  • bis 01.06.2026: Einreichung der Abstracts über das Konferenzmangementsystem unter
    http://www.conftool.org/mpaed2026
    per Mail an christian.swertz@univie.ac.at 
    oder per Post an 
    Wiener Medienpädagogik
    Institut für Bildungswissenschaft
    Sensengasse 3a
    1090 Wien
    Österreich.
  • bis 15.07.2026: Rückmeldungen auf die eingereichten Abstracts durch das Tagungskomitee über den vorher gewählten Kommunikationskanal
  • 31.07.2026: Beginn der Anmeldung 
  • 15.08.2026: Veröffentlichung Tagungsprogramm
  • 16.09.2026: Treffen von Arbeitskreisen und -gruppen
  • 17.-18.09.2026: Jahrestagung

Veranstaltungsort 

Wiener Medienpädagogik
Institut für Bildungswissenschaft
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Universität Wien
Sensengasse 3a
1090 Wien
Österreich
christian.swertz@univie.ac.at
+43.14277.46741

Die Beiträge der Jahrestagung können im Jahrbuch Medienpädagogik münden. Wir bitten daher bereits an dieser Stelle alle beteiligten Autor:innen, ihre Beiträge frühzeitig zu verschriftlichen, um den Veröffentlichungsprozess zu verkürzen.

Wir freuen uns auf Eure Einreichungen!

Literatur

Ahlborn, J., Verständig, D., & Karsch, P. (2024). Debunking Disinformation: Über kreative Praktiken im Umgang mit Datenvisualisierungen und die Bedeutung für die Dekonstruktion von Desinformationsstrategien. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie Und Praxis Der Medienbildung, 59(Desinformation von Rechts*), 1–22. doi.org/10.21240/mpaed/59/2024.04.08.X

Dander, V., Honegg, M., & Rössler, C. (2026). Desinformation und KI: Wirkung, Wahrnehmung, Kompetenzen und pädagogische Ansätze. Medienimpulse, 64(1), 37 Seiten. doi.org/10.21243/mi-01-26-10

Tribukait, M., & Trupp, J. (2024). Die Herausforderung antidemokratischer Desinformationskampagnen: Strategien deutscher rechtsextremer und russischer Akteur:innen und Perspektiven für die Medienbildung. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie Und Praxis Der Medienbildung, 59(Desinformation von Rechts*), 105–122. https://doi.org/10.21240/mpaed/59/2024.04.30.X