In Memoriam Richard Olechowski (1936-2026)
Am 7.Mai 2026 verstarb Dr. Dr. h.c. Richard Olechowski, der von 1977 bis 2004 als Universitätsprofessor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Wien tätig war, an seinem 90. Geburtstag.
Mit der Universität Wien war er zeitlebens verbunden. Er studierte an der Universität Wien von 1955 bis 1962 Psychologie, engagierte sich danach für die Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher und erhielt 1966 die Möglichkeit, am Institut für Pädagogik die Stelle eines Universitätsassistenten anzutreten. Am wissenschaftlichen Arbeiten höchst interessiert, habilitierte er an der Alma Mater 1970 mit einer Schrift über „Das alternde Gedächtnis“. Er erhielt die Venia „Pädagogik mit besonderer Berücksichtigung der Pädagogischen Psychologie“ und trat zwei Jahre später eine ordentliche Professur an der Universität Salzburg an. An seiner Wiener Heimatuniversität hielt er weiterhin Vorlesungen und Übungen zu empirisch-quantitativen Verfahren, um 1977 einen Ruf zurück nach Wien auf eine ordentliche Universitätsprofessur für „Pädagogik unter besonderer Berücksichtigung der Schulpädagogik und der Allgemeinen Didaktik“ anzunehmen. Von da an wirkte er 27 Jahre lang als Leiter der Abteilung für Empirische Pädagogik und zwischenzeitlich von 1982 bis 1988 sowie von 1995 bis 1999 auch als Vorstand des „Instituts für Pädagogik“, das bald in „Institut für Erziehungswissenschaft“ umbenannt wurde. Dies entsprach einem allgemeinen Trend, der nicht zuletzt mit dem Wunsch nach einer deutlichen Akzentuierung des wissenschaftlichen Aufgabencharakters universitärer Pädagogik, der wachsenden Bedeutung empirischer Forschungsmethoden und der zunehmenden Auseinandersetzung mit der Frage verbunden war, wie der Gegenstand der Pädagogik (respektive Erziehungswissenschaft) und ihr methodologisches Selbstverständnis begriffen werden müsse. Richard Olechowski nahm in dieser Auseinandersetzung am Wiener Institut eine prononcierte Position ein und beeinflusste die seinerzeitigen Diskussionen maßgeblich.
Konsequenterweise stellte der Einsatz empirisch-quantitativer Methoden einen Schwerpunkt seiner Lehr- und Forschungstätigkeit dar. Ein zweiter Arbeitsschwerpunkt betraf die Geschichte der Pädagogik in der Zeit der ersten Republik Österreichs. In mehreren Publikationen behandelte er die schulpolitischen Bemühungen, die in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren insbesondere im „Roten Wien“ zum Tragen kamen. Dieses historische Interesse korrespondierte eng mit Olechowskis drittem Arbeitsschwerpunt, dem Einsatz für eine „Humane Schule“. Er setzte sich insbesondere für die gemeinsame Schule der 10- bis 14jährigen ein und trat für die Konzeption und Umsetzung einer entsprechenden Reform des Sekundarschulwesens auch in jenen Jahren öffentlich ein, in der er als überzeugter Christ die Funktion des Vizepräsidenten der Wiener Katholischen Akademie innehatte. Dies trug ihm einige Kritik von Seiten des konservativen Lagers ein.
In der Absicht, seinen Forschungsaktivitäten eine breitere institutionelle Basis zu verleihen, gründete er 1986 das Ludwig-Boltzmann-Institut für „Schulentwicklung und international-vergleichende Schulforschung“, das er bis 2005 leitete. In dieser Funktion rief er auch die Schriftenreihe „Schule – Wissenschaft – Politik“ ins Leben, in der 14 Bände erschienen. Für seine wissenschaftlichen Leistungen, die auch die jahrzehntelange Mitarbeit in der Redaktion der österreichischen Fachzeitschrift „Erziehung und Unterricht“ sowie die Herausgabe von vier weiteren Buchreihen umfassten, erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter den Kardinal Dr. Theodor Innitzer-Förderungspreis, die Otto-Glöckel-Medaille der Stadt Wien und das Ehrendoktorat der Eötvös-Loránd-Universität Budapest .
Eine vollständige Liste seiner zahlreichen Veröffentlichungen und weitere Würdigungen seines umfangreichen Werkes sind in dem Band „Auf dem Weg zu einer humanen Schule“ nachzulesen, der 2020 von Tamara Katschnig, Rudolf Beer und Isabella Benischek im LIT-Verlag herausgegeben und Richard Olechowski als Festschrift zugewidmet wurde.
Wilfried Datler und Tamara Katschnig
