Veranstaltungsreihe: Praxen des Lehrens und Lernens in_über Ungleichheitsverhältnisse_n

Beim Lehren und Lernen über Ungleichheitsverhältnisse in Differenz- und Dominanzverhältnissen tun sich vielfältige Spannungsverhältnisse und Reproduktionen auf und werden in unterschiedlicher Art und Weise relevant. Wir wollen uns im Rahmen der Veranstaltung einigen dieser Spannungen nähern. Dabei stehen u.a. folgende Fragen im Fokus:Wie können wir mit der (wahrgenommen) Kluft zwischen Theorie und Praxis umgehen? Wie möchten wir Lehr- und Lernräume gestalten? Wie können wir mit aufkommenden Widerständen und der Gefahr der Verletzung umgehen? Was bedeutet Verantwortungsübernahme in und für diese Räume und inwieweit kann/muss sie geleistet werden?

Veranstalter*innen

Arbeitsbereich Bildung und Ungleichheit

Streetart im Studierendenviertel in Coimbra/Portugal; Sommer 2022

13.30 - 15.00 Uhr Vorträge und Austausch


Vorträge von Dr. Yalız Akbaba und Dr. Jan Niggemann


15.15 - 16.30 Uhr zwei parallele Workshops
(für Lehrende und Studierende)


16.30 Uhr Zusammenführung und gemütlicher Ausklang

 

Programm

Die Veranstaltung richtet sich an Studierende und an Lehrende (auch an Lehrende, die für einzelne Lehrveranstaltungen ans Institut kommen und oft als „externe“ Lehrende bezeichnet werden). Sie findet auf Deutsch statt.

 

Vortrag Jan Niggemann: Hegemonie(-kritik) im Seminar?

Abstract: Wenn das Wissen marginalisierter Gruppen zum Bestandteil eines Seminars wird, entstehen neue Herausforderungen. Stimmen werden hörbar, aber nicht unbedingt gehört. Kritik verliert ihre Kraft, wenn sie den Lehrplan erreicht, aber gewinnt auch den Anspruch, wahres Wissen zu sein, das wissenschaftlich legitimiert wird. So können eigene Erfahrungen hinterfragt werden und in Bezug zu Wahrheit und Objektivität gesetzt werden, ohne sie davon getrennt zu begreifen. Aus unbequemen Widersprüchen gibt es einfache Auswege: sie können ignoriert oder als abstrakte Probleme beiseitegeschoben werden. Hegemonie(-kritik) dagegen bietet Lernmöglichkeiten, zu verstehen, wie Widersprüche mit der (Ent-)Politisierung von Wissen verwoben sind. Das Denken löst keine Widersprüche auf, aber macht sie verständlich und eröffnet Perspektiven, sich in ihnen zu bewegen. In nachfolgenden Austauschformaten werden wir einen Blick darauf werfen, ob und mit welchen Konzepten es möglich wird, Kritik_en zu üben und neue Positionen und Praxen dort zu verankern, wo legitimes Wissen verhandelt und tradiert wird.

Kurzbio: Jan Niggemann hat an der FU Berlin Erziehungswissenschaften, Soziologie und Neuere Geschichte studiert und an der Goethe-Universität Frankfurt in Erziehungswissenschaften promoviert. Er arbeitet als Universitätsassistent (Post-Doc) an der Uni Graz im Arbeitsbereich Bildungstheorie und Schulforschung. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. Bildungstheorie, Pädagogische Autorität und Autorisierung sowie Transformation von Bildung im Kontext sozialer Ungleichheit. Zudem arbeitet Jan Niggemann ehrenamtlich in der politischen Erwachsenenbildung.


Vortrag Yalız Akbaba: Rassismuskritik in der Hochschullehre. Zwischen weißen Emotionen und transformierenden Auseinandersetzungen

Abstract: Kritisches Lehren über Rassismus kann Dynamiken machtvollen Weißseins entfesseln (Akbaba/Wagner 2022). Im Vortrag kontrastiere ich Analysen (aus dem Projekt PoMiPoBi) zur hegemonialen Wiederherstellung von weißer Dominanz mit Beobachtungen aus Veranstaltungen, in denen Teilnehmende Abwehrreaktionen anderer Teilnehmender mit rassismuskritischem Wissen moderieren. Weiße Emotionen (Bönkost 2016) werden dann nicht ungestört ausgelebt, sondern aus zweiter Ordnung beobachtet. Die Auseinandersetzungen führen zu einem produktiven Austausch zwischen weißen und BIPoC Perspektiven, sowie zu Perspektivierungen dieser binären Kategorisierung.

Kurzbio: Yalız Akbaba (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie lehrt und forscht in den Bereichen der kritischen Migrationsforschung, der pädagogischen Professionalisierung und der Methoden qualitativer Sozialforschung, vor allem der (Diskurs-)Ethnografie und der fallrekonstruktiven Unterrichtsforschung. Ihre ethnografische Studie »Lehrer*innen und der Migrationshintergrund. Widerstand im Dispositiv« (2017, Beltz Juventa) wurde mit dem Dissertationspreis der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ausgezeichnet.

Workshops:

Workshop für Studierende:
In Differenzverhältnissen bewegen - Studieren an der Universität Wien

Moderation: Katharina Kulesza

Abstract: In diesem Workshop haben Studierende die Gelegenheit, ihre Positionierungen vor dem Hintergrund persönlicher (Bildungs-)biographien zu reflektieren, sowie Forderungen an eine diskriminierungssensible Hochschullehre zu formulieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse dienen für den anschließenden Dialog zwischen Studierenden und Lehrenden.

Kurzbio: Katharina Kulesza studiert Soziologie sowie Afrikawissenschaften und ist stellvertretende Obfrau der IDB – Initiative für ein diskriminierungsfreies Bildungswesen. Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Diskriminierung, Diasporaleben und Migration, ist ihr auch aktivistische Arbeit in diesen Feldern wichtig.


Workshop für Lehrende:
Verantwortung, Anforderungen und Notengebung in Ungleichheitsverhältnissen
Moderation: Jan Niggemann

Abstract: Welche Verantwortung haben wir als Lehrende und wie können wir damit umgehen, dass wir einerseits dazu angehalten sind, Ungleichheitsverhältnisse über (Arbeits-)Anforderungen, Notengebung usw. zu reproduzieren, aber auch vielfaches Interesse an Veränderung und Erneuerung von Lehrplänen, Curricula, Lernformen und Studieninhalten besteht? Welche anderen Möglichkeiten sehen wir? Dies und weitere Fragen sollen Gegenstand des Workshops werden.