Forschungswerkstatt

PARTIZIPATIVE FORSCHUNG – FORSCHUNGSWERKSTATT

Flyer und Programm (pdf)

Ablauf der Forschungswerkstatt

Do, 17.02.2022 

09:00 – 09:30 Anmeldung und Kaffee

09:30 – 09:45 Begrüßung

09:45 – 10:30 Eröffnungsvortrag, Prof.in Dr.in Saskia Schuppener

10:30 – 10:45 forschungspraktische Kommentierung des Vortrags durch Robel Afeworki Abay

10:45 – 11:45 Diskussion

11:45 – 13:00 Mittagspause

13:00 – 18:00 Werkstattteil

Fr, 18.02.2022 

09:00 – 09:30 Ankommen und Kaffee

09:30 – 12:30 Werkstattteil

12:30 – 14:00 Mittagspause 

14:00 – 16:00 Input Selbstreflexion (eigene Positionierung, Hierarchien und Macht),  Hs.-Prof. Dr. Tobias Buchner

16:00 – 18:00 Werkstattteil

ab 18 Spaziergang und gemeinsames Abendessen

Sa, 19.02.2022

10:00 – 11:00 Diskussion zum Spannungsverhältnis zwischen Qualifikations-/Forschungsarbeiten und partizipativer Forschung

11:00 – 13:00 offenes Vernetzungstreffen 

Die Grundidee von partizipativen Forschungsansätzen ist, nicht über oder für die Menschen zu forschen, sondern gemeinsam mit ihnen (Bergold & Thomas, 2012). Idealerweise sind die Mitforschenden am gesamten Forschungsprozess – von der Entwicklung der Forschungsfrage bis hin zur Veröffentlichung der Ergebnisse und der Diskussion über mögliche Lösungen – beteiligt. Auch wenn partizipative Forschung eher einen Oberbegriff als ein konkretes Verfahren darstellt, so ist für diesen Forschungsstil eine parteiliche und wertebasierte Haltung kennzeichnend, die nicht nur darauf abzielt die Lebenswelt der Mitforschenden partner_innenschaftlich zu beforschen, sondern auch zu beeinflussen und gemeinsam Veränderungsprozesse voranzubringen (von Unger, 2018). Die Erfahrungen, Perspektiven und Probleme der Mitforschenden stehen im Mittelpunkt der Forschung und ausgehend von ihren Fragen nähern sich Wissenschaftler_innen und Mitforschende gemeinsam dem Gegenstand des Erkenntnisinteresses. In einem partizipativen Forschungsprozess wird angestrebt, Räume zu schaffen, um aus dem Alltagspragmatismus auszusteigen und sich auf einen gemeinsamen Erkenntnisprozess einzulassen (Bergold & Thomas, 2012). Durch den Austausch mit anderen können Bewusstseinsprozesse entstehen und geteilte Erfahrungen sichtbar werden, die wiederum zum Erschließen neuer Handlungsmöglichkeiten führen können (von Unger, 2018). 

Indem partizipative Forschung Fragen der Repräsentation und Teilhabe in den Fokus rückt, eröffnet dieser Ansatz Möglichkeiten zur Demokratisierung von Forschung und des Aufbrechens von bestehenden Wissenshierarchien (Wöhrer et al., 2017). Die besondere Gestaltung und Nähe der Forschungsbeziehung zieht aber auch spezifische ethische Schwierigkeiten und Fragen mit sich, die eine hohes Maß an Reflexivität erfordern (von Unger & Narimani, 2018). Forschung agiert in Verhältnissen der sozialen Ungleichheit und ist dabei selbst auch stets durch Hierarchien und Machtverhältnisse geprägt. Gerade durch die starke Involvierung der Wissenschaftler_innen im Feld ergibt sich die spezifische Herausforderung, nicht an der (Re-)Produktion bestehender Differenzverhältnisse mitzuwirken, sondern zu versuchen, diese stetig zu reflektieren und auch in schwierigen Situationen regulierend einzugreifen und Haltung zu beziehen (Wöhrer et al., 2017). Das Aufbauen einer vertrauensvollen Beziehung ist bestimmend für partizipative Ansätze, mit der allerdings ein hohes Maß an Verantwortung einhergeht und eine kontinuierliche Verständigung über Grenzen und Möglichkeiten der gemeinsamen Forschung sowie über Macht und Privilegien erforderlich macht (von Unger & Narimani, 2018; Fine & Torre, 2020). Zudem spielen Rollenkonflikte, Fragen der Sichtbarkeit vs. Anonymität, Fragen zur informierten Einwilligung und zur Autor_innenschaft eine große Rolle in partizipativen Projekten. Partizipative Forschung bedarf einer radikalen Offenheit und des Einlassens auf eine Unplanbarkeit des Forschungsprozesses, was wiederum mit Ansprüchen, die im Rahmen von Qualifikationsarbeiten oder geförderten Forschungsvorhaben gestellt werden, konfligieren kann, aber auch die Orte der Forschungen selbst, mit ihren eigenen Ordnungslogiken und Strukturiertheiten Hürden, mit sich bringen. Partizipative Forschung bleibt somit ein fragiles Unterfangen, dem das Risiko des Scheiterns inhärent ist. Gelingt es jedoch, ein offenes Miteinander zu gestalten, kann ein Raum geschaffen werden, in dem ein kritisches Hinterfragen der aktuellen Verhältnisse sowie ein Nachdenken über das was sein könnte und sollte möglich wird (Fine & Torre, 2020).

Diese Veranstaltung möchte ebenfalls einen Raum öffnen und zum gemeinsamen Dialog einladen, um sich über partizipative Forschungsvorhaben und die damit verbundenen Fragen auszutauschen. Im Rahmen der Forschungswerkstatt möchten wir das Spannungsfeld von partizipativer Forschung in Verhältnissen der sozialen Ungleichheit in den Blick nehmen und darüber ins Gespräch kommen, wie diese Differenzlinien wirken, aber auch wie diese produktiv im Forschungsprozess aufgegriffen werden können. 

Wir freuen uns über Beiträge, die einzelne oder mehrere der folgenden Aspekte aufgreifen und diskutieren. Folgende Fragen sollen zur Einreichung von Beiträgen anregen:

  • Wie kann der Forschungsprozess möglichst auf Augenhöhe gestaltet werden? Wie kann es gelingen, dem Anspruch an intersektionale und machtkritische Forschung gerecht zu werden?
  • Welche Methoden können für welche Altersgruppen und „Zielgruppen“ adaptiert werden und welche Erfahrungen gibt es hiermit?
  • Welche spezifischen forschungsethischen Fragen stellen sich in partizipativen Projekten? Wie wird mit Fragen der ownership, der informierten Einwilligung und der Verantwortlichkeit umgegangen?
  • Wie kann mit dem „Scheitern“ an eigenen Ansprüchen und der Scham hierüber umgegangenen werden und dies auch als Erkenntnisprozess in die Forschung miteinbezogen werden? Wie können diese „Fehler“, Brüche und diversen Aushandlungsprozesse auch im Schreibprozess sichtbar gemacht werden und dem Versuch, „eine kohärente Geschichte“ zu erzählen, widerstanden werden?
  • Wie kann mit dem Spannungsverhältnis von Forschungsanforderungen (z.B. im Rahmen einer Qualifikationsarbeit) und Prämissen der partizipativen Forschung umgegangen werden?

Ablauf

Die Forschungswerkstatt wird in Form einer zweitägigen Veranstaltung umgesetzt, wobei es optional am Samstagvormittag noch die Möglichkeit der Vernetzung geben wird. Die Forschungswerkstatt richtet sich an Nachwuchswissenschaftler_innen, die sich im Rahmen ihrer Qualifikationsarbeit oder eines Forschungsprojektes mit partizipativen Forschungsansätzen beschäftigen. Am ersten Tag wird es einen Eröffnungsinput zu forschungsethischen Fragen im Rahmen von partizipativer Forschung geben. Anschließend beginnen wir mit dem Werkstattteil der Veranstaltung, der die Teilnehmer_innen einlädt, ihre Forschungsvorhaben vorzustellen, um diese dann gemeinsam zu reflektieren. Teilnehmende mit eingereichten Beiträgen haben circa 20 Minuten Zeit, um die eigene Arbeit zu präsentieren und anschließend sind jeweils 35 Minuten zur gemeinsamen Diskussion geplant. Am zweiten Tag werden wir im Werkstattmodus weitermachen. Am Nachmittag findet eine Diskussion zu Selbstreflexion in der partizipativen Forschung statt. Den Abschluss der Forschungswerkstatt bildet am Samstag der optionale Besuch des Vernetzungsraums. Beginnen wird der Tag mit einer moderierten Diskussion zum Spannungsverhältnis von Qualifikations-/Forschungsarbeiten und partizipativer Forschung, bei der Sie eingeladen sind, Ihre Erfahrungen und Problematiken einzubringen.
Anschließend möchten wir den Raum für Vernetzung öffnen. Die Idee ist hierbei, sich besser kennenzulernen und mögliche kleinere Forschungswerkstätten für Ihre Promotions-/ Forschungsvorhaben zu gründen, um sich gegenseitig im Forschungsprozess zu begleiten. Wir geben dazu mögliche Impulse und Ideen, die die Teilnehmenden darin unterstützen sollen, ihre eigene Forschungswerkstatt zu gründen. Die Veranstaltung verortet sich transdisziplinär und lädt deshalb explizit Personen verschiedener Disziplinen ein.

Teilnahme und Anmeldung

Anmeldung geöffnet bis: 31.11.2021
(mit eigenem Material bis 31.10.2021) 

Teilnehmer_innenbeiträge in Präsenz: 35€ 

Teilnehmer_innenbeiträge online: 15€

Anmeldung bitte per E-Mail an marlene.maerker@univie.ac.at (Betreff: PAR_FW) mit folgenden Angaben:

  • Name, Vorname, E-Mail
  • Titel des Vorhabens bzw. Projekts
  • Universität/Hochschule und Betreuung des (Promotions-)Projektes
  • Teilnahme an allen Tagen oder nur am Donnerstag und Freitag?
  • Möchten Sie eigenes Material einbringen? Ja/Nein

Abstracts für 20-minütige Vorträge (mit anschließender 35-minütiger Diskussion) im Umfang von circa einer Seite bitten wir, bis zum 31.10.2021 per E-Mail zu senden. Alle Einreichungen werden vom Organisationsteam gesichtet und wir informieren Sie dann bis zum 31.11.2021, ob Ihr Forschungsvorhaben besprochen werden kann.

Die Anzahl der Teilnehmenden ist auf 25 beschränkt, gegebenenfalls wird eine Warteliste eingerichtet. 

Wir planen die Veranstaltung in Präsenz, verlegen sie aber in den digitalen Raum, wenn es pandemiebedingt nicht anders möglich ist. Anfang Dezember werden wir Ihnen bekanntgeben in welchem Format die Veranstaltung dann stattfinden wird. 

Die Veranstaltung wird organisiert vom Arbeitsbereich Bildung und Ungleichheit am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien.

Literatur

Bergold, J., & Thomas, S. (2012). Partizipative Forschungsmethoden: Ein methodischer Ansatz in Bewegung. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 13(1), Art. 30, https://doi.org/10.17169/fqs-13.1.1801

Fine, M., & Torre, M., E. (2020). Critical Participatory Action Research: Ein feministisches Commitment. In A. Brenssell & A. Lutz-Kluge (Hrsg.), Partizipative Forschung und Gender: Emanzipatorische Forschungsansätze weiterdenken (S. 119 -134). Berlin: Barbara Budrich.

Von Unger, H., & Narimani, P. (2012). Ethische Reflexivität im Forschungsprozess: Herausforderungen in der Partizipativen Forschung. Discussion Paper SPI 2012 – 304.
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Berlin.
SPI 2012-304 vUnger Narimani Forschungsethik_mQ (econstor.eu)

Von Unger, H. (2018). Partizipative Forschung. In L. Akremi, N. Baur, H. Knoblauch & Boris Traue (Hrsg.), Handbuch Interpretativ forschen (S.161-182). Weinheim: Beltz.

Wöhrer, V., Arztmann, D., Wintersteller, T., & Harrasser, D. (2017). Partizipative Aktionsforschung mit Kindern und Jugendlichen. Von Schulsprachen, Liebesorten und anderen Forschungsdingen. Wiesbaden: Springer VS.