Logo der Universität Wien

Arbeitsgebiet berufliche Partizipation

Die Erforschung des nachschulischen Lebens von Menschen mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und Benachteiligungen ist in den letzten Jahren zunehmend Thema der Inklusiven Pädagogik geworden. Hierbei nehmen Forschungen zur beruflichen Partizipation eine zentrale Rolle ein, da Arbeit gleichzeitig auch Ressourcen eröffnet, die als Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe in anderen wichtigen Lebensbereichen (z. B. Kultur) gesehen werden können bzw. hilft diese zu erschließen.

Arbeit als bezahlte Beschäftigung in regulären sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen unterstützt eine selbstbestimmte Lebensgestaltung. Diese Funktion von Arbeit ist für alle Menschen bedeutsam, auch für Menschen mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und Benachteiligungen. Seit Mitte der 1990er Jahre werden als Folge der Inklusionsbewegung und der Implementierung des Ansatzes des „Supported Employment“ (Unterstützte Beschäftigung) spezifische Angebote zur beruflichen Integration in den regulären Arbeitsmarkt geschaffen. Gesetzlich festgelegte Instrumente wie Arbeitsassistenz sowie verschiedene Begleitungs- und Assistenzformen gelten als arbeitsmarktpolitische Unterstützungsmaßnahmen, um zum Ziel der beruflichen Partizipation und gesellschaftlichen Teilhabe zu gelangen (vgl. z. B. UN Behindertenrechtskonvention; EU Disability Strategy 2010-2020 sowie Nationaler Aktionsplan).

Mit dem Forschungsschwerpunkt der beruflichen Partizipation als spezielles bildungswissenschaftliches Forschungsgebiet werden sowohl pädagogische als auch sozialpolitische Tätigkeiten und Modelle in den Blick genommen, welche die berufliche Inklusion und Partizipation von Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen in die Berufs- und Arbeitswelt bzw. deren gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe zum Ziel haben. Ebenso soll erfasst werden, inwiefern derartige Unterstützungsmodelle aus der Sicht von behinderten Menschen eine subjektive lebensweltliche Relevanz zur Durchsetzung ihrer individuellen und kollektiven Rechte ausüben. Forschung im Arbeitsgebiet berufliche Partizipation ist aktuell fachwissenschaftlich als auch bildungs- und sozialpolitisch von hoher Relevanz. Die Bedeutung wird zum Beispiel durch fehlende Unterstützungsangebote für Jugendliche mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und Benachteiligungen im nachschulischen Bereich sichtbar, vor allem dann, wenn es um den beruflichen Einstieg und um die Teilhabe am Erwerbsleben geht. Die Relevanz der beruflichen Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen  und Benachteiligungen wird auch in Zukunft gegeben sein, und der Themenbereich kann bisher in der Bildungswissenschaft und im Besonderen im Rahmen der Inklusiven Pädagogik als noch nicht hinreichend wissenschaftlich bearbeitet angesehen werden. Aktuelle Aufgaben und Zielsetzungen, die mit dem Forschungsbereich berufliche Partizipation verbunden sind:

  • Grundlagenforschung und anwendungsbezogene Forschung zu gesellschaftlicher Teilhabe und Ausschluss im Lebenslauf von Menschen mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und Benachteiligungen
  • Vertiefte qualitative Forschungen zu Bildungs- und Übergangsprozesse von der Schule in den Arbeitsmarkt bei Menschen mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und Benachteiligungen
  • Erfassung der institutionellen Strukturen nach dem Verlassen der Schule und beim Übergang ins das Berufsleben sowie des Arbeitsmarktes einschließlich der Auswirkungen von institutionellen Teilhabe- und Ausschließungsprozessen auf die Betroffenen
  • Inklusive Ansätze der Forschung mit intellektuell beeinträchtigten Menschen
  • Qualitätssicherung und Evaluation innovativer Maßnahmen der beruflichen Integration und Partizipation
  • Wissenschaftliche Kooperation mit nationalen und internationalen Projektpartner/innen (Workshops, Tagungen etc.)
  • Außeruniversitäre Kooperation zu den einzelnen Systemen (Träger, Institutionen, Projekte) im Praxisfeld der beruflichen Integration und Partizipation (Wissenstransfer durch Beratung und Fortbildung)

Zum Arbeitsgebiet berufliche Partizipation an der Universität Wien arbeiten schwerpunktmäßig drei Wissenschaftler/innen zu folgenden Themen:

 Mag. Dr. Helga Fasching:

  • Übergang Schule und Beruf: Bildungs- und Übergangsverläufe von jungen Menschen mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und Benachteiligungen
  • Berufliche Partizipationserfahrungen von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung
  • Frauen mit Behinderungen, Lernbeeinträchtigungen und Benachteiligungen in Bildung, Ausbildung und Erwerbsarbeit
  • Qualitätssicherung und Evaluation innovativer Maßnahmen der beruflichen Integration
  • Systemische Beratung und Psychotherapie in psychosozialen und inklusiven Arbeitsfeldern

 Mag. Oliver Koenig:

  • Biographische Teilhabe- und Ausgrenzungserfahrungen von erwachsenen Menschen mit einer intellektuellen Beeinträchtigung sowie deren Einfluss auf subjektive Identitätskonstruktionen
  • Fachliche, strukturelle sowie sozialpolitische Bedingungen von Organisations- und Veränderungsprozessen in Einrichtungen des Ersatzarbeitsmarktes und der Behindertenhilfe
  • Internationale Best Practices und Transfer
  • Personenzentrierte Methoden und Persönliche Zukunftsplanung
  • Empowerment, NutzerInnenpartizipation und Selbstvertretung
  • Inklusive, partizipatorische und emanzipatorische Forschungsmethoden

 Mag. Natalia Postek:

Übergang Schule – Beruf: Subjektive Übergangserfahrungen von jungen Menschen mit Behinderungen

  • Jugendforschung unter spezieller Berücksichtigung von Jugendlichen mit Behinderungen
    • Forschungsmethoden in der beruflichen Partizipation
    • Computerunterstützte Auswertungsmethoden
  • Partizipatorische Forschung
  • Politische Teilhabe und Bildung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung
Institut für Bildungswissenschaft
Universität Wien

Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik

Sensengasse 3a
A-1090 Wien

T: +43-1-4277-468 01
F: +43-1-4277-468 09
Universität Wien | Dr.-Karl-Lueger-Ring 1 | 1010 Wien | T +43-1-4277-0