Prof. Tröhler: Antrittsvorlesung am dies facultatis

01.06.2018

Titel und Abstract der Antrittsrede von Herrn Prof. Daniel Tröhler am dies facultatis am Donnerstag, den 21.06.2018 um 17:30 Uhr im Hauptgebäude der Universität Wien, Dr. Karl Lueger-Ring 1, 1. Stock: Kleiner Festsaal

 

Internationale Provokationen an nationale Denkstile in der Erziehungswissenschaft

 

Ausgangslage: In der Vorlesung wird davon ausgegangen, dass im Bereich der Erziehung und Bildung die wissenschaftliche Wissensgenerierung und -tradierung von nationalen Denkstilen geprägt und ihnen verpflichtet sind, was die Auseinandersetzung mit anderen Denkstilen bzw. die internationale Anschlussfähigkeit der jeweiligen Theoriebildung erschwert. Die besondere Charakteristik dieser nationalen Denkstile ist es, dass sie Universalität suggerieren und ihre Beschränkung kaschieren, dass sie gleichzeitig integrierend und ausschließend sind, akademische Identität ermöglichen und innerhalb der Universitäten klare Karrierepfade vorzeichnen, und dass sie die Problemstellungen als solche bestimmen, die Wahl der ‚richtigen’ Forschungsmethoden der jeweiligen Wissenschaft suggerieren sowie die Gültigkeit ihres erzeugten Wissens verteidigen.

 

These: Die These lautet, dass das Forschungsfeld „Allgemeine Pädagogik“ dann relevant wird, wenn sie international anschlussfähig und in der Lage ist, die nationalen Denkstile, die mit institutioneller Macht verwaltet und tradiert werden, auf ihre Auswirkungen in den unterschiedlichen Theoriebildungen der Erziehungswissenschaft zu analysieren. Die internationale Provokation an die nationalen Denkstile zielt dabei weniger auf deren Überwindung als darauf, ihre meist versteckten nationalen Prägungen im Vergleich erst sichtbar zu machen

 

Aufbau: Zunächst werden drei Begriffe, die um 1800 in Europa in unterschiedlicher Weise pädagogischen Aspirationen unterworfen wurden, auf ihre ideologischen Bedeutungen hin analysiert, nämlich der Citoyen, der Bürger und der Mensch. Das erlaubt es, die Entstehung und Pfade der die Forschung prägenden nationalen Denkstile zu identifizieren, sodass im Anschluss daran ein Forschungsprogramm skizziert werden kann, welches das durch die nationalen Denkstile produzierte wissenschaftliche Wissen historisch und vergleichend zu analysieren vermag. Diese Sichtbarmachung der nationalen Prägungen der Denkstile in der Erziehungswissenschaft ermöglicht es der Forschung und Lehre zum Vorteil ihrer Theoriequalität internationalen Anschluss zu finden.